J.Dettmann
J.Dettmann

Bolivien | Heim für Straßenkinder in Sucre – Nr. 37



Das Ketchuawort „Oqharikuna“ heißt “Stehen wir auf”. Der Name ist Programm: Auf eigenen Beinen stehen. Hilfe zur Selbsthilfe – unter diesem Motto unterstützt dieGeorg Kraus Stiftung das Projekt Oqharikuna im bolivianischen Sucre. Hier leben und lernen 35 Straßenkinder in einem Internat mit angeschlossener Ausbildungsstätte, sie hätten sonst keine Chance. „Wir unterstützen nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit, die Menschen hilft, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen“, so das Credo der Stiftung.

Dass dieses möglich ist, dafür steht der Projektpartner Fundacion Oqharikuna. Er betreibt ein Internat, zwei Tagesheime und eine Schule. Das Internat Casa Stefan beherbergt und betreut Jungen aus extremer Armut, Verlassenheit und Gefährdung. Es bietet ihnen die Möglichkeit, ihr Leben in einer würdigen und familiären Umgebung zu ändern und sich zu entwickeln. Derzeitig leben Jungen von vier bis achtzehn Jahren im Internat, solange bis sie ihren Schulabschluss oder eine Berufsausbildung erreichen.

 

 

Sie führen dort ein ganz normales Leben wie in einer Familie mit allen Pflichten und Rechten. Ihre vorrangige Pflicht ist der Schulbesuch von der Primar- bis zur Sekundarstufe, und zwar in der schulischen Einrichtung, die die Leitung des Internats bestimmt. In Casa Stefan finden die Kinder und Jugendlichen einen Lebensalltag mit allem Nötigen vor, also gesunde Ernährung, Kleidung, Schulmaterial und schulische Betreuung, medizinische Behandlung. Vor allem aber werden sie als Personen ernst genommen und erhalten Zuwendung und Wertschätzung.

Zur Deckung der Betriebskosten von Internat, zwei Tagesheimen und einer Schule hat sich Oqharikuna Einnahmequellen geschaffen: Sie unterhält einen Bauernhof, eine kleine Molkerei und eine Tankstelle.

Seit 2012 betreibt Oqharikuna ein Sägewerk und eine Schreinerei. 17 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahre lernen nach dem täglichen Unterricht in der heimeigenen Schreinerei das Schreinerhandwerk.

Leider war der Bedarf an Holz, vor allem Pinienholz, stark rückläufig. Jedoch hat die Anschaffung einer Hobelmaschine den Umsatz der Schreinerei wieder angekurbelt. Sie produziert Späne, die bei Hühnerzüchtern als Einstreu sehr begehrt sind. Daher lassen sie sich gut verkaufen.

Die Georg Kraus Stiftung unterstützt seit vielen Jahren die Arbeit von Fundacion Oqharikuna, zunächst im Landwirtschaftsbereich, von 2015 bis 2017 finanzierte sie das Gehalt eines Schreinermeisters. Als die Tankstelle Anfang 2017 nicht die erwarteten Gewinne abwarf, da sie durch eine Großbaustelle praktisch kaum erreichbar war, half die Georg Kraus Stiftung dabei mit, den finanziellen Engpass zu überbrücken.
Danach ermöglichte die Georg Kraus Stiftung den Bau eines Sonnendachs für den Spotplatz, aktuell die Errichtung eines Schweinestalls und die Anschaffung einer  Solaranlage für warmes Wasser in der Küche und in der Dusche. 

Bolivien | Lokalexperten-Programm für 19 Gemeinden in Mincani, Bolivien


Im District Mincani im zentralen Hochland Boliviens gelten die 475 Familien in den 19 Dörfern als die Ärmsten des Landes. Die Lebensbedingungen sind äußerst hart: 10 Monate Trockenzeit, in den sich die Familien fast ausschließlich von Mais und Kartoffeln ernähren müssen. Das hat zur Folge, dass 35% aller Kinder auf dem Land schwer mangelernährt sind. Verunreinigtes Trinkwasser, der fehlende Zugang zu sanitären Einrichtungen, die Rauchbelastung durch Kochfeuer und Öllampen erschweren noch zusätzlich die sehr einfachen Lebensbedingungen. Durch den Klimawandel werden die ausgeprägten Dürren immer häufiger.

Eine Vielzahl aufeinander aufbauender Bildungsmaßnahmen und technischer Lösungen sind erforderlich, um dem Ziel näherzukommen, dass jede Familie Micanis frei von Gesundheitsgefahren leben kann. Dazu gehört das Durchführen von Hygieneschulungen, die Verbreitung von Wasseraufbereitungstechniken, der Bau von Trenntoiletten und rauchfreien Kochstellen und die Verbreitung von emissionsfreien Solarlampen.

Ein Ofenbauprojekt konnte zunächst von „Ingenieure ohne Grenzen“ durchgeführt werden. Um es nicht nur bei dieser Hilfe zu belassen, wurde der Verein „Aktion Sodis“, gegründet. Der Ofenbau ist nun auch fester Bestandteil in der Berufsschulausbildung. Ziel ist es, dass das Handwerk von vielen Menschen erlernt werden kann und der Bau und Betrieb solcher Öfen irgendwann zur Selbstverständlichkeit wird.

Zu den Projekt-Maßnahmen gehören auch die Sanierung von 14 Dorfschulen mit 836 Schülern und die Vermittlung von gesundheitlichen Praktiken und Hygiene und die Verbesserung der Versorgungsinfrastruktur.

Der Verein „Aktion Sodis“, Schüler, Studenten, Lehrer und Dorfbewohner entwickelten gemeinsam Lösungen für die Optimierung der Landwirtschaft. Die Wassernot bleibt eine der größten Herausforderungen. Der Bau von Tröpfchen-Bewässerungen ist sehr effizient und sparsam. Nun können Obst, Gemüse und Kräuter, die mit dem extremen Klima gut zurechtkommen, langfristig angebaut werden.

Insgesamt werden die Bewohner dabei unterstützt, Probleme eigenständig zu lösen und aus eigener Kraft ihre Heimat lebenswerter zu gestalten. Die Georg Kraus Stiftung unterstützt dieses vielschichtige Projekt, denn es kann nachhaltig die lokalen Strukturen verbessern.

In 2020 wurde die Arbeit fortgeführt , mit dem besonderen Fokus auf die Schulung der Frauen. Ihnen wird in der Berufswelt nicht viel zugetraut. Bisher haben aber schon einige besonders aktive und mutige Frauen die Projekte bereichert. Ihre Anerkennung ist ein weiterer elementarer Schritt, denn eine Gesellschaft, in der die Frau nur am Rande steht, ist nicht zukunftsorientiert.

Da weitere Gemeinden in das Projekt mit einbezogen wurden, finanzierte die Georg Kraus Stiftung Baumaterialien und Schulungen.

Brasilien | Kinder- und Jugendzentrum “Portas Abertas” in Centenário – Nr. 115

 

 

Das bevölkerungs- und ressourcenreiche Brasilien befindet sich aktuell in einer der erheblichsten wirtschaftlichen und politischen Krisen seit Jahrzehnten. Dies trifft besonders die arme und sozial benachteiligte Bevölkerung, welche in städtischen Elendsvierteln bzw. Favelas oder in ländlichen Gebieten lebt. In Rio de Janeiro gibt es mehr als 1.000 Armenviertel, ohne sauberes Wasser und durchgängige Stromversorgung, geprägt von Gewalt und Drogenhandel.

Der Kinder in Rio e.V. unterstützt dort armutsbetroffene Kinder und Jugendliche auf ihrem Lebensweg, damit sie nicht in die Spirale aus Kriminalität und Gewalt geraten. Das Kinder- und Jugendzentrum „Portas Abertas“ (dt. Offene Türen) bietet den Kindern eine Ganztagsbetreuung. Sie finden dort was vielen von ihnen fehlt: einen friedlichen und geschützten Ort, Freiräume, Bildung, qualifizierte Vertrauenspersonen und Halt. So können sie sich eigenständig ihr Umfeld erschließen und ihre eigene Persönlichkeit entfalten. Sie erhalten Nachhilfeunterricht, Computerschulungen, Musikunterricht, Sportkurse und haben Gelegenheiten ihre Talente zu entdecken und zu entwickeln und ihr Selbstwertgefühl zu stärken.

 

Zusätzlich gibt es regelmäßig stattfindende Treffen für Mädchen- und Frauengruppen. Wichtige Themen wie Gesundheit und Vorsorge, häusliche Gewalt und Reflexion werden von Fachkräften ausführlich dort besprochen. Darüber hinaus gibt es kulturelle Aktivitäten und Schneider- und Nähkurse. Mithilfe solcher Angebote kann man jungen Frauen, die oft keinen Schulabschluss oder keine Berufsausbildung haben, gezielte Zukunftschancen bieten.

 

Das Kinder- und Jugendzentrum „Portas Abertas“ ist viel mehr als eine Kinderbetreuung. Es schenkt den Kindern einen sicheren Ort und eine glückliche Kindheit und legt den Grundstein für eine bessere Zukunft.

Die Georg Kraus Stiftung fördert seit 2015 dieses Projekt. Sie finanzierte die Anschaffung von pädagogischer und didaktischer Ausrüstung, von Instrumenten, Sportbekleidung und Lehrmitteln, sowie die Durchführung von Förderkursen. Seit 2020 unterstützte sie das Projekt “Erziehung zum Frieden” für Mädchen und Jungen aus einer Favela in Rio de Janeiro. Des Weiteren wurden Schulmaterialien und Lebensmittel für Kinder aus einer Favela in Rio Comprido gestiftet.

Ecuador | Ausbildung gegen Armut in Aguas Frías – Nr. 96

Im Dschungeltal Aguas Frías (Stadt Atacames) in der Provinz Esmeraldas in Ecuador befindet sich die Nachmittagsschule „Sonnenschule“, etwa 18 km von der Hauptstraße im Landesinneren und 23 km von Atacames entfernt: Nur unbefestigte Naturpisten führen dorthin, zweimal am Tag fährt ein Rancherea. 220 – 250 Hütten oder kleine Häuser existieren, es herrscht subtropisches Klima – in der Regenzeit werden viele Gebiete überflutet, eine Stromleitung befindet sich entlang der Straße, Fernseh- und Handyempfang gibt es nur vereinzelt auf Anhöhen.

 

In dieser unterentwickelten Region sind viele Frauen und Kinder häuslicher Gewalt ausgesetzt. Viele dieser Frauen – teilweise noch sehr jung – haben bereits fünf oder mehr Kinder, meist von unterschiedlichen Männern. Sie sind allein mit den Kindern und der Gesamtverantwortung für die Familie ohne finanzielle Unterstützung. Die wenigsten können schreiben oder lesen. Die überforderten, durch Armut verzweifelten Mütter kümmern sich häufig nicht ausreichend um ihre Kinder. Die Kinder müssen zur Unterstützung der Familie mitarbeiten.

In Ecuador gibt es zwar die Schulpflicht, doch wer sich die Schuluniformen und Schulbücher nicht leisten kann, schickt seine Kinder nicht zur Schule. Wenn doch eines der Kinder in die Schule geschickt wird, sind das dann meistens die Jungen.

 

Die nichtstaatliche Organisation San Andrés e.V. hat sich zur Aufgabe gemacht, in Aguas Frías Kinder aus armen Verhältnissen zu unterstützen. Da Mädchen besonders benachteiligt sind, gilt ihnen die Hauptförderung.  Für diesen Zweck gründete San Andrés e.V. die Sonnenschule: „Wir helfen mit gezielter außerschulischer Betreuung nach der Schule, bei einigen Kindern auch bis zum Ende der Ausbildung oder des Studiums, mit dem Ziel, ihnen in der unterentwickelten Region die Chance zu bieten selbstständig aus der Armut  herauszukommen. Es ist Hilfe zur Selbsthilfe. Sie entdecken Wege, das Leben selbst in die Hand zu nehmen. Die Kinder helfen sich selber, entwickeln ein Zusammengehörigkeitsgefühl, übernehmen soziale Verantwortung und kommen in der Schule besser mit.“ (Projektleiter Frank Isfort).

Die Georg Kraus Stiftung fördert auch eine Studentin Ivonne Isabel Ortiz, die an der Universität von Santiago de Guayaquil Medizinwissenschaft studiert. Sie arbeitet seit vielen Jahren in der Sonnenschule mit und bringt so ihre Kenntnisse mit ein.

So finden sich in der Sonnenschule Aktivitäten, welche weder Schule noch Elternhaus leisten können. Das Selbstbewusstsein der Kinder wächst, sie erkennen Neigungen und Talente, sie entdecken Wissen, das sie in ihre Elternhäuser tragen und auch in ihrem späteren Leben umsetzen können. Die Kinder verbessern ihre schulischen Leistungen durch Weiterbildungskurse, Nachhilfe, Computerkurse und Einführung in die Benutzung des Internets.

 

Durch regelmäßige Treffen entdecken die Mütter ein Umdenken und mehr Selbstbewusstsein. Sie bekommen Ideen und Know-how, Kenntnisse über Gesundheit, Verhütung, Aids und Hygiene sowie Unterstützung bei Behördengängen, Ausfüllen von Formularen, Schreiben von Briefen etc.

Die Mütter tragen sehr stark zum Gelingen des Projektes bei, indem sie z.B. beim Klassenbau helfen: Gitter und Tische abschleifen, das Gelände säubern, Wasser holen oder die Pflanzen pflegen. Ebenfalls ist immer eine Mutter bei der Nachhilfe und beim Förderunterricht anwesend – wenn sie nicht lesen und schreiben kann, so kann sie doch verantwortungsvoll die Kinder beaufsichtigen.

Zuletzt wurde ein Holzhaus gebaut, das den Frauen mit ihren Kindern in der Not für einen längeren Zeitraum Schutz gewähren soll.

Da sich dieses Projekt lediglich aus privaten Spenden finanziert, ist der Bedarf nach Unterstützung sehr groß. Dringend notwendig wäre:

  • ein 3. Bauabschnitt mit einem weiteren Klassenraum, Küche und Spielanlage
  • Gründung eines eigenen Wäscheservices oder Straßenrestaurants als Verdienstmöglichkeit für die Mütter
  • Hilfe zur Selbsthilfe für Mütter z.B. durch den Verkauf von Waren und Schmuck aus eigener Werkstatt
  • Werkstattbau für die Ausbildung der Kinder und Verkauf der erstellten Produkte
 

In den Landregionen gibt es generell keine Wasserversorgung. Wasserleitungen gibt es nicht, die Menschen holen sich das Wasser wird aus Bächen oder Brunnen, es hat meist keine Trinkwasserqualität. Wer es sich leisten kann kauft Trinkwasser in 10 l Flaschen. Der Bach in Aguas Frías ist die Lebensader der ganzen Region, in dem alles gemacht wird, wie z.B. gebadet, Wäsche gewaschen und Tiere getränkt. Darunter leidet die Wasserqualität ganz enorm. Da einige Familien das Bachwasser auch als Trinkwasser benutzen, sind Durchfälle und Parasitenerkrankungen weit verbreitet. In der Trockenzeit ist der Bach nur ein Rinnsal und bei Regen verwandelt er sich in eine braune Lehmbrühe.

Ein Problem ist auch der Transport des Wassers zum Haus. Viele Häuser stehen weit entfernt vom Bach. In der Regenzeit steht viel unter Wasser und der Boden ist sehr schlammig.
Ein ganz dringender Wunsch war der Zugang zu sauberen Trinkwasser durch einem Gemeinschaftsbrunnen mit einfachen erschwinglichen Wasserfiltern. Dazu diente der Bau einer kleinen Steinhütte für das Brunnenloch und die Pumpanlage. Der Tank mit Filteranlage steht jetzt direkt neben der Sonnenschule.

Die Georg Kraus Stiftung ermöglichte diesen Wunsch und fördert auch weiterhin die Sonnenschule mit der Finanzierung von Schulmaterialien.

Guatemala | Schulen für Indianerkinder – Nr. 10

 

 

 

Wer nicht lesen und schreiben lernt, kann niemals in der sozialen Stufenleiter aufrücken. Im abgelegenen Hinterland Guatemalas bekommen Ixil-Indianer dank Schulgründungen eine Chance.

“APEI, Amigos para las Escuelas Ixiles“, eine gemeinnützige Asociacion, arbeitet im Norden Guatemalas in der abgelegenen Ixil-Region. Im Bürgerkrieg wurde dieses Gebiet, Lebensraum eines Mayastammes, der Ixil-Indianer, weitgehend zerstört  Hier sind abgelegene Dörfer des mittelamerikanischen Landes Guatemala auch heute noch besonders unterentwickelt. Die Armut ist sehr groß, eine medizinische Versorgung fehlt fast völlig, die Infrastruktur ist mangelhaft und die Analphabetenquote ist extrem hoch.

Entsprechend unserem Motto „Der beste Weg aus der Armut ist der Schulweg“ ist eine gute Schulbildung die wichtigste Voraussetzung für eine langfristige und dauerhafte Verbesserung der Lebensbedingungen. APEI arbeitet seit 1994 in Guatemala daran. Für APEI unterrichten ausschließlich einheimische Lehrer und  zwar nur in Dörfern, in denen der Staat noch keine Schulen betreibt. In 48 Dörfern entstanden innerhalb von 25 Jahren bereits Schulen. Die überwiegende Zahl dieser Schulen hat der Staat inzwischen  dauerhaft ins staatliche Schulsystem übernommen. Dieses Konzept ist ein Musterbeispiel für Nachhaltigkeit von Entwicklungszusammenarbeit. Letztendlich will sich APEI überflüssig machen, wenn der Staat überall alle Schulen selbst betreibt. Zurzeit unterrichtet APEI mit 9 Lehrern, in 6 Dörfern über 300 Kinder. In 17 Dörfern hat APEI bereits neue, massive Schulgebäude gebaut.

 

 

 

Der Bau der neuen Schule ging nur sehr langsam voran. Sämtliche Baumaterialien mussten zu Fuß oder mit Eseln transportiert werden, ein enormer Aufwand. Alle halfen mit, auch die Frauen und Kinder. Das Gelände war unwegsam, die Wege oft schlammig und es standen nur einfache Gerätschaften zur Verfügung. Aber die Bauern dieser Region sind diese Umstände gewohnt und der gute Zweck lies viel Mühen vergessen. Anschließend hat die feierliche Schuleinweihung stattgefunden.


Die Georg Kraus Stiftung unterstützt die Arbeit von APEI seit 1994 und setzt auch nach über 20 Jahren ihre engagierte Arbeit fort, wie es in dem neuen Film Der beste Weg aus der Armut ist der Schulweg“ zu sehen ist:

In diesem Clip ist der 13-jährige Ixil-Indianer Diego  der “kleine Filmstar”. Er  lebt mit seiner Mutter und vier Geschwistern in ärmsten Verhältnissen in dem Dorf Esperanza Amakchel in Guatemala. Diegos Vater ist kürzlich verstorben und so ist es fast unmöglich geworden, das Nötigste zu erwirtschaften. Es fehlt an allem und die Kinder müssen bei der Landwirtschaft und im Haushalt mithelfen. Nach der Schule gibt es keine Zeit zum Spielen, sondern es geht direkt zur Feldarbeit. Gerne möchte Diego die weiterführende Schule besuchen, doch seine Mutter braucht ihn als Arbeitskraft um die Familie zu ernähren.

Somit ist sein Schicksal eines von tausenden Kindern in armen Regionen der Erde. Die Philosophie und Ideologie der Stiftung ist es, genau diesen Kindern eine Zukunftsperspektive zu bieten. Gemeinsam mit den Verein „ APEI“ hilft sie seit 1994 bei dem Bau und der Ausstattung von Schulen im abgelegenen Ixil-Dreieck. Hinzu kommt Aufklärungsarbeit, denn viele Eltern müssen noch überzeugt werden, dass nur ein Schulbesuch der Schlüssel zu einem bessern Leben für ihre Kinder ist. Auch Diego soll es ermöglicht werden, die Schule weiter zu besuchen. „Überzeugungs“- Gespräche mit der Mutter werden bereits geführt.

Die Aufnahmen wurden von Walter Sittler und Sigrid Klausmann im Sommer 2018 mit Unterstützung von Martin Müller (APEI) in Guatemala gedreht.

In 2020 wurden mit Hilfe der Georg Kraus Stiftung in den Dörfern Esperanza Amakchel und Nuevo San José neue Küchengebäude erreichtet. Aufgrund der Corona-Pandemie und der verheerenden Unwetter haben sich die Bauarbeiten länger hingezogen, als geplant. Dann konnten beide Küchengebäude endlich eingeweiht werden. Mütter von Schulkindern aus den Dörfern kochen abwechselnd nach einem festgelegten Plan täglich Mahlzeiten für die Schulkinder.

Die Georg Kraus Stiftung unterstützte das Internat in Sumalito mit technischer Ausstattung, die Freude über die Computer war bei den Kindern besonders groß.

Aktuell werden für den Sachunterricht in Sumalito Gerätschaften angeschafft für die Bereiche Holzbearbeitung, Schneiderei und Bäckerei.                      

 

Kolumbien | Projekt für Frauen mit Behinderung – „Aromatízate”, Anbau und Vermarktung von biologischen Kräutern – Nr. 142

Im ländlichen Choachi, 40 km entfernt von der Hauptstadt Bogotá in Kolumbien, lebt die Landbevölkerung teilweise noch vom Ackerbau und der Fleisch- und Eierproduktion. Das Erdreich ist nach mehr als 2 Jahrzehnten intensiver, konventioneller Landwirtschaft ausgelaugt und extreme Wetterlagen sorgen für schlechte Erträge.

Die „Finca Rupúblika“, betrieben von der „Fundación Friese“, liegt auf 1800 m. Dort wird bereits seit vier Jahren mit Permakultur die Struktur der Böden verbessert. Aus den Erfahrungen hat sich ein Kräuter-Projekt entwickelt, da die resistenten Kräuter-Pflanzen lang anhaltende Dürre-Perioden überstehen und extremem Starkregen trotzen. „Aromatízate – Frutos de la Diversidad“ ist ein Projekt zur Produktion von biologischen  Kräuterteemischungen. Anbau, Ernte, Trocknung und Verarbeitung finden auf dem Gelände der „Fundación Friese“ statt. Das Endprodukt wird vor allem lokal durch bereits bestehende Netzwerke vermarktet.

Der Verein „Freundeskreis Friese“ unterstützt dieses Projekt, welches speziell für junge Frauen mit Behinderung entwickelt wurde. In Kolumbien stehen Menschen mit Behinderung oft am Rande der Gesellschaft. In ländlichen Gegenden werden sie teilweise auch von den Angehörigen zuhause isoliert, aus Angst vor sozialer Ausgrenzung. Sie erhalten kaum finanzielle Unterstützung vom Staat und die gesundheitliche Vorsorge und die Bildungschancen sind mangelhaft. Mit „Aromatízate“ bekommen die jungen Frauen nicht nur eine Möglichkeit einer bezahlten Arbeit nachzugehen, sondern sie erfahren auch Zuwendung und Anerkennung. Die anfallenden Arbeiten sind für Menschen mit motorischen Beeinträchtigungen durchführbar, dabei werden alle Teilnehmerinnen schrittweise professionell begleitet. Der respektvolle Umgang und die eigenen Erfolgserlebnisse geben ihnen ein neues Selbstwertgefühl.

Die jungen Frauen kommen aus einkommensschwachen Familien, welche zumeist am Existenzminimum leben. Die Chance auch als Familienmitglied mit Behinderung einen kleinen Beitrag zur Familienökonomie leisten zu können, ist für sie sehr motivierend. Es werden konkrete Förderangebote bereitgestellt, mit dem Ziel größtmöglicher Autonomie und Selbstbestimmung zu erlangen. Familienmitglieder wie Mütter, Schwestern und Tanten unterstützen das Projekt, indem sie beim Verpacken der Waren oder sonstigen Tätigkeiten helfen.

„Aromatízate“ soll nun als Qualitätsprodukt vermarktet werden, die Anbaufläche werden erweitert und die Abläufe von Ernte, Trocknung und Verpackung werden systematisiert. Die jungen Frauen erlernen das selbstständige Arbeiten. Nach 12 Monaten soll sich das Projekt durch den Verkauf der Waren selbst tragen und die Verantwortlichkeiten sollen zum größtmöglichen Teil bei den Teilnehmerinnen liegen.

Die Georg Kraus Stiftung unterstützt dieses Projekt gern, weil es ökologische Landwirtschaft mit der Schulung von jungen Frauen verbindet und dazu noch Menschen mit Behinderung den Weg ebnet zu einer sozialen Teilhabe auf Augenhöhe.

Peru | Begegnungsstätte für Menschen mit Behinderung in Lima – Nr. 83

Seit 2010 unterhält der Verein Amancay – Begegnung auf Augenhöhe e. V. eine Begegnungsstätte für Kinder und Jugendliche mit Behinderung und deren Familien in einem Randgebiet der peruanischen Hauptstadt Lima. Die Kinder mit Behinderung, die in diesem von Armut betroffenen Gebiet aufwachsen, sind mehrfach benachteiligt: Ihre Eltern sind arm, sie vernachlässigen ihre Kinder aus Mangel an Geld und Zeit. Sie wissen nichts oder wenig über die besondere Lage von Menschen mit Behinderung. Zusätzlich fehlt das Engagement des Staates für die betroffenen Menschen.

So trägt das Haus mit einem vielfältigen Angebot wie Informationen und Beratung, Hausbesuchen, Workshops und Therapien sowie Aktionen zur Integration von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft bei. Dieses Programm haben eine hauptamtliche Sozialarbeiterin, deutsche und peruanische Freiwillige sowie Eltern der betroffenen Kinder erarbeitet und gestaltet. Mit dem Konzept dieser Begegnungsstätte werden zwei Ziele verfolgt: Zum einen erfahren die Kinder und Jugendlichen Wertschätzung, sie erkennen ihre Fähigkeiten und Stärken. So entwickeln sie mehr Selbstbewusstsein und finden Wege zu einem eigenständigen Leben. Zum anderen soll aus den Kindern und Jugendlichen sowie ihren Eltern eine Gruppe zur Selbsthilfe heranwachsen, die sich der besonderen Zuwendung der Menschen mit Behinderung bewusst ist. Sie informiert über bereits bestehenden Fördermöglichkeiten und setzt sich für eine Verbesserung der Lebensumstände von Menschen mit Behinderung in der peruanischen Gesellschaft ein. Diese Gruppe unterstützt andere Betroffene und macht ihre Anliegen in der Öffentlichkeit bekannt.

Aktuell errichtet Amancay zusammen mit der lokalen Bevölkerung Armenküchen für Menschen mit Behinderungen in extremer Armutslage im Süden von Lima. Aufgrund der Pandemie ist ihre Zahl dramatisch gestiegen. Peru ist als Land mit besonders hohem Infektionsrisiko eingestuft. Die peruanische Regierung hat daher die Suppenküchen geschlossen.  Mit ehrenamtlichem Einsatz und Spenden aus der Nachbarschaft werden die Notleidenden mit ein bis zwei Mahlzeiten pro Tag versorgt.  Nach und nach sollen die Kapazitäten der Küchen erhöht werden, sodass mehr Menschen versorgt werden können. Zusätzlich ist geplant, in einigen Küchen  das Lebensmittelangebot durch Gemüseanbau und Kleintierhaltung zu ergänzen.

Die  Georg Kraus Stiftung förderte folgende Maßnahmen: Organisation einer Registrierung von Menschen mit Behinderung in LimaMaterial für die Ausbildung von ehrenamtlichen Promotern und technische und medizinische Hilfsmittel für die Verbesserung der Therapieangebote und die Ausstattung von Armenküchen für die Grundversorgung von Hungernden während der Corona-Pandemie. 

Peru. Schule für die Ärmsten in Pomabamba bei Cajamarca

 

Für rund 100 Kinder im peruanischen Andendorf Pomabamba ist Bildung Luxus. Sie müssen auf den Feldern arbeiten Da bleibt für den Unterricht kaum Zeit, eine Unterstützung der Eltern fehlt. Ein Drittel der über 15-Jährigen kann weder lesen noch schreiben. Um diese Kinder kümmert sich „Nuevos Horizontes Peru e.V.“ In der Bergregion Cajamarcas sollen möglichst viele Kinder den Schulabschluss machen. In der von den Dorfbewohnern „Casita“ genannten alternativen Schule laufen über die ganze Woche hinweg verschiedene Programme für Kinder. Die Jüngsten lernen grundlegende kognitive, intellektuelle und motorische Fähigkeiten im Kindergartenprogramm, die ihnen den Einstieg in die Regelschule erleichtern. Ältere Kinder zwischen sechs und vierzehn Jahren bekommen Hausaufgabenbetreuung und Förderung in ihren Unterrichtsfächern. Sie können so den Unterricht besser aufnehmen und entdecken ihre eigenen Stärken. Zum anderen werden verschiedene Workshops angeboten, die den Kindern die Traditionen und Fähigkeiten des Dorfes näher bringen. Ebenso entdecken die Kinder, dass sie selbst Geschichten schreiben und erzählen können. Ergänzend zum normalen schulischen Ablauf lernen die jungen Leute den Umgang mit vorhandenen Ressourcen wie die Regenwassernutzung durch den erfolgten Bau von zwei Zisternen. Auf den freien Grundstücksflächen lernen die Kinder Gartenanbau wie den Anbau von Mais, Linsen und Kartoffeln. So können sie die Eigenversorgung verbessern und ggf. Überschüsse verkaufen, die dann der Refinanzierung dienen.

Für diese wichtigen pädagogischen Aufgaben müssen geeignete Räume zur Verfügung stehen. Der Bau des Hauptgebäudes mit angeschlossenem Kindergarten konnte 2015 fertiggestellt werden. Hierbei macht der peruanische Staat pädagogische und bauliche Vorgaben, die eingehalten werden. Als Ergänzung des Schulgebäudes und des Grundstücks sind noch zwei Zisternen und die Einrichtung einer Schneiderwerkstatt geplant.

Nur durch die konsequente Reduzierung der hohen Analphabeten Rate hat das Dorf die Möglichkeit, seine Gesamtsituation aus eigener Kraft zu verbessern. Die Georg Kraus Stiftung unterstützte die Schule in Pomabamba durch den Grundstückskauf und die Beteiligung an Bau und Ausstattung des Gebäudes.   

Indien | Kinderheim in Bhopal – Nr. 25

 

Ein Zuhause – das ist etwas, das manche Kinder allenfalls vom Hörensagen kennen. Sie leben auf der Straße, allzu oft auf sich allein gestellt, ohne Eltern und Angehörige. Zum Überleben sind sie auf Almosen angewiesen. Sie haben keinen sicheren Platz zum Schlafen und wenn sie krank werden, fehlt es an medizinischer Hilfe und Fürsorge. Sie stehen in der ständigen Gefahr, misshandelt und ausgenutzt zu werden.

Diesen Kindern zu helfen, hat sich Nitya Seva zur Aufgabe gemacht. Vor nunmehr 23 Jahren hat die deutsch-indische Organisation in Bhopal vier Kinderheime eingerichtet, in denen ca. 180 Mädchen und Jungen betreut werden. Sie finden dort eine Unterkunft, erhalten täglich drei nahrhafte Mahlzeiten, Kleidung, Spielsachen und ärztliche Versorgung. Nitya Seva stellt die in Indien vorgeschriebenen Schuluniformen zur Verfügung, damit die Kinder öffentliche Schulen besuchen können.

Die Kinder gehen gerne zur Schule. Sie werden täglich von Nachhilfelehren bei den Hausaufgaben betreut und erhalten bedarfsorientierte Nachhilfe. In speziellen Lernkursen erfahren die Kinder eine zusätzliche Förderung, die sich auch auf die Berufsfindung und Berufsausbildung erstreckt.

Die Arbeit von Nitya Seva zeigt gute Erfolge: Einige, die als Straßenkinder ins Heim gekommen waren, besuchen inzwischen die Universität.

 

“Unsere Schützlinge führen ein glückliches Leben in Geborgenheit und Zuneigung. Wir haben uns dieser Kinder angenommen, um Ihnen ihre Kindheit wiederzugeben. Sie nehmen uns als Eltern an, die Ihnen Vertrauen und die Sicherheit eines Zuhauses geben.”, berichtet Claus von der Fink, Vorsitzender des Vereins Nitya Seva.

Äußerst wichtig für die Entwicklung der Kinder ist das gemeinschaftliche Leben im Heim. Auf dessen Gestaltung wird viel Wert gelegt. Es vermittelt ihnen die Erfahrung von Zuwendung und Gemeinschaft und stärkt ihr Selbstwertgefühl.

Die Georg Kraus Stiftung unterstützt weiterhin die Schul- und Universitätsausbildung der Schützlinge in den drei Kinderheimen in Bhopal und aktuell zusätzlich die Schulgebühren für Heimkinder.

Indien | Stipendienprogramm für benachteiligte Frauen in Südindien

 

 

Dass Armut und Ausgrenzung von Frauen aus sozial schwachen Gruppen kein Schicksal ist, sondern überwunden werden kann, beweist das Projekt „Zukunft durch Bildung – Stipendienprogramm für benachteiligte Frauen in Südindien“.

 

Frauen in Indien erfahren Diskriminierung und Ausgrenzung, auch bei Bildung und Berufsqualifizierung. Vor allem sozial schwache Familien, wie die „Kastenlosen“ treiben die Ausbildung der Söhne auf Kosten der Mädchen voran.

Dem sucht „Bildungschancen für Frauen in Indien e.V.“ entgegenzuwirken. Das Projekt „Zukunft durch Bildung – Stipendienprogramm für benachteiligte Frauen in Südindien“ fördert angehende Krankenschwestern durch Stipendien in Tamil Nadu und Kerala. Stipendien erhalten die jungen Frauen, die den gesellschaftlich ausgegrenzten Gruppen angehören,  Halb- oder Vollwaisen sind oder deren Eltern als Tagelöhner kein geregeltes Einkommen haben. Das Studium dauerte vier Jahre. Eine solche Ausbildung verhindert das Armutsrisiko für Frauen, fördert Bildungsgerechtigkeit und Selbstbestimmung. Ein wichtiger Faktor ist auch, dass eine Verbesserung der lokalen Gesundheitsversorgung in den südindischen Bundesstaaten Tamil Nadu und Kerala geleistet wird.

Die jährlichen Kosten für die Ausbildung beinhalten den Internatsaufenthalt, die Studiengebühren, die Arbeitskleidung und die Materialien. Die Georg Kraus Stiftung fördert seit 2019  die jungen  Frauen, eine weitere Unterstützung  ist vorgesehen.

“Unsere” Krankenschwester-Schülerinnen engagierten sich für die Eindämmung der Corona-Pandemie. Sie sind in einem Video zu sehen, dass die Bevölkerung über wichtige Schutzmaßnahmen aufklärt.

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